Spuren der Vergangenheit im Boden
Gärtringen: Vortrag beim Heimatgeschichtsverein Zeitsprung mit Günther
Wieland

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 Der Schutz der heimischen Bodendenkmale ist ein Ziel im Gärtringer Verein Zeitsprung. Darum lud der Verein den Oberkonservator im Landesamt für Denkmalspflege, Dr. Günther Wieland, zu einem Vortrag in die Villa Schwalbenhof ein. Sein Statement; "Die meisten Schäden an Grabhügeln entstehen unabsichtlich, weil man sie kaum als Denkmal erkennt. "Große Überraschung schon vor Beginn des Vortrages: Das Interesse war so groß, dass schnell alle Stühle in der Gärtringer Villa Schwalbenhof besetzt waren und rasch noch
weitere herbeigeschafft werden mussten. Der Vorsitzender des Ortsgeschichtsvereins
Torsten Widmann war baff: "Ich hätte nie gedacht, dass wir mit diesem Thema so viele
Menschen erreichen." Grundsätzlich seien Denkmale, insbesondere Grabhügel, so Dr. Wieland, im Wald sicherer,
als in freier Landschaft: "Der Wald ist unser bester Konservator". Der Grund: Auf Feldern
werde die Oberfläche ständig bearbeitet, da seien Spuren der Vergangenheit schnell
unwiederbringlich verschwunden. Dergleichen geschehe im Wald natürlich nicht. Schäden
gebe es da nur durch Bäume und ihre Wurzeln, vor allem, wenn sie etwa durch einen Sturm umgeweht würden.

 

Andreas Denner

Oder wenn Forstarbeiter mit schwerem Gerät unterwegs sein.
Allerdings entständen die Schäden dann eher unabsichtlich, weil etwa Grabhügel kaum als
solche zu erkennen seien. Schanzbefestigungen seien in der Vor-Mörtel-Zeit kaum 30 bis
40 Jahre haltbar gewesen, ehe sie in sich zusammenfielen. Übrig blieben nur Gräben.
Dass man überhaupt wisse, wo solche Denkmale liegen, bekomme man meist mit
Luftaufnahmen heraus. Allerdings seien Strukturen, die man auf Wiesen erkenne, eben
durch die Bodenbearbeitung relativ häufig zerstört. Im Wald könne man aber auf normalen
Luftaufnahmen nichts erkennen. Darum setze man heute Laserscanner ein. Beim
sogenannten LIDAR-Verfahren würden in Sekundenschnelle zigtausende Laserimpulse
zum Boden geschickt. Mithilfe der Reflexion und dem Computer könne man nun die
Bäume herausrechnen. Wieland: Wir können den Wald virtuell roden." Und schon würden
Strukturen erkennbar. Seit 2009 ist das Gerät im Einsatz, inzwischen sei ganz Baden-
Württemberg vermessen. Eine enorme Menge von bislang unbekannten Denkmalen wurde
gefunden.
Wieland zeigte einige Beispiele. Etwa vom Hohennagold, wo man unterhalb des
mittelalterlichen Schlosses eine keltische Umfriedung gefunden habe. Das sei später
mittels Grabungen, bei denen man Scherben und Eisenteile gefunden hat, bewiesen
worden. In Neuenbürg im Nordschwarzwald habe man schon in den 1920er Jahren auf
dem Schlossberg eher zufällig auf einem Privatgrundstück keltische Artefakte gefunden.
Scherben, aber auch Eisenwerkzeug. Doch was wollten die eigentlich Ackerbau treibenden
Kelten an so einer landwirtschaftlich uninteressanten Stelle? Der Verdacht sei damals
schon gewesen, dass man dort Eisenerz gesucht habe. Die Kelten seien Meister in der
Erzverhüttung gewesen. Aus 25 bis 30 Kilo Eisenerz, das habe man experimentell
nachgewiesen, hätten sie zwei bis drei Kilo Eisen gewonnen. Der Wagen des Keltenfürsten
Gärtringen
in Hochberg etwa ist über und über mit Eisen beschlagen. Warum? Wieland: "Um zu
zeigen, wir können das, wir haben das." Eisen war als Schmuck beliebt. In einem Grab in
Nebringen seien ein Schwert, Lanzenspitzen und Ringe gefunden worden. Und ein Helm,
aus einem Stück geschmiedet. Wieland: "Ein Meisterstück"! Doch zurück nach Neuenbürg.
Mit dem LIDAS-Scanner hat man rund um den Schlossberg im Radius eines
Tagesmarsches viele Erdhügel gefunden. Das waren Rennöfen, was man in den Jahren
2004 bis 2010 anhand von Schlackefunden eindeutig nachgewiesen habe. Leider seien
viele der Denkmale auch von Wissenschaftlern beschädigt worden. In den 1920er Jahren
habe man viele der damals bekannten Gräber ausgegraben. Dabei sei man nur auf der
Suche nach Fundstücken gewesen. Das Grab selber habe niemand interessiert. Heute sei
das aber genauso interessant. Selbst Knochen könnte man heute daraufhin untersuchen,
wie alt der Tote starb, woran er starb, auf Krankheiten oder Ernährung.
Deshalb gehe man heute eher dazu über, die Gräber nicht zu öffnen. Man arbeite mit den
Forstämtern zusammen, um die beste Strategie auszuwählen. Manchmal lasse man die
Bäume stehen, manchmal schneide man den Wald zurück und modelliere eingesunkene
Grabhügel sogar wieder auf. So könne man sie als Denkmal wieder sichtbar machen. Und
die zusätzliche Erdschicht schütze das Grab sogar noch. Gut sei es auch, das Denkmal
erlebbar zu machen, etwa mit Infotafeln.
In Gärtringen gebe es östlich einen einzelnen großen Grabhügel mit 35 Metern
Durchmesser, im Westen mehrere kleinere Grabhügel. Auch bei Kuppingen gebe es
Keltengräber. Dr. Günther Wieland zum Abschluss: "Wir raten dazu, die Denkmale ins
Bewusstsein der Bevölkerung zu bringen und sie so einer sozialen Kontrolle zu
unterwerfen." Damit könne man Vandalismus nicht verhindern, das komme immer mal
wieder vor. Aber es schütze die Denkmale zumindest vor versehentlicher Beschädigung.